„How to parent like a German“

Unter diesem Titel erschien unlängst ein Artikel im Time Magazine. Eine Mutter beschreibt die Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Kindererziehung. Kürzlich nach Deutschland gezogen, schildert die Autorin welche Ängste sie ausstand, als sie mit ihrer Tochter zum ersten Mal einen Berliner Spielplatz besuchte. Anders als in den USA gab es keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Die Kinder kletterten auf einen sechs Meter hohen Holzdrachen, während ihre Eltern Kaffee tranken und sich scheinbar nicht um ihre Sprösslinge kümmerten. Ein Albtraum für eine an amerikanische Schutzmaßnahmen gewöhnte Mutter.

Die Journalistin führt im Folgenden weiter aus, dass deutsche Eltern nicht so streng seien, wie ihnen ihr Ruf vorauseilt. Im Gegenteil – sie legen großen Wert auf Eigenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein ihrer Kinder. Jene Eltern auf dem Spielplatz hatten ihre Kinder gar nicht ignoriert, sie hatten ihnen vertraut. Hier der Link zum Artikel.

Persönliche Erlebnisse

Wir machten während unseres England-Urlaubs im letzten Herbst ähnliche Erfahrungen. Deutschland ist zwar nicht mit Österreich gleichzusetzen, und die USA nicht mit England, einige Parallelen gibt es aber. Hier ein paar persönliche Impressionen:

  • Bei unserer Landung in Heathrow wurden wir von einem Sicherheitsbeamten aufgehalten, weil unser fünfjähriger Sohn auf dem Gepäckwagen saß. Die Situation war aus unserer Sicht völlig ungefährlich, aber die Vorschriften erlaubten es nicht.
  • Beim Einkaufen im Supermarkt setzte ich unseren zweijährigen Sohn in den Einkaufswagen. Wir schafften es nicht einmal zum nächsten Gang, bis uns ein Security Officer darauf aufmerksam machte, dass das nicht gestattet ist.
  • Als uns der Hausherr in einer netten kleinen Pension das Frühstück herrichtete, konnten wir beim Zubereiten der pancakes zusehen. Unser Sohn wollte das gerne aus der Nähe betrachten (er war etwa zwei Meter vom Herd entfernt) und wurde freundlich, aber bestimmt, aus der Küchenzeile verwiesen. Die Sicherheitsvorschriften erlauben das nicht.
  • In London gingen wir auf den berühmten Diana Memorial Playground in Kensington Gardens. Zwei Sicherheitsbeamte kontrollierten den Eingang und ließen nur Erwachsene in Begleitung von Kindern hinein. Der gesamte Spielplatz ist von einem hohen Zaun umgrenzt und die Spielbereiche sind entsprechend abgesichert. Die ‚safety precautions‘ kann man übrigens auf der Homepage nachlesen…

Wie gehen wir in unserer Familie mit Sicherheit um?

Meine Kinder (mittlerweile zweieinhalb und fünfeinhalb) durften mir sehr früh in der Küche helfen. Seit dem Alter von zwei Jahren lasse ich sie Karotten schälen, etwas später Gemüse schneiden. Natürlich bin ich in der Nähe, um bei Bedarf einzugreifen. Beim Einheizen des Kachelofens dürfen sie bestimmte Arbeiten übernehmen, etwa die Asche mit dem Schürhaken auflockern, das Papier zerknüllen oder das Holz herrichten. Angezündet wird dann von Mama oder Papa. Was das Hinaufklettern auf Stühle, Klettervorrichtungen etc. betrifft, war ich bei meinem ersten Kind wesentlich vorsichtiger. Meinem jüngeren Sohn erlaubte ich viel früher seine eigenen Grenzen zu erforschen. Dafür haben wir unseren Vorrat an Cool Packs im Kühlschrank aufgestockt 😉

Im Vergleich mit England oder den USA gibt es in Österreich und Deutschland viel weniger Vorschriften, die den Eltern mehr Eigenverantwortung zugestehen. Natürlich ist die Sicherheit von Kindern ein wichtiges Thema. Für eine gesunde Entwicklung ist es aber auch nötig, dass sie lernen Hindernisse zu überwinden und Gefahren einzuschätzen.

Schreibe einen Kommentar